Die Strukturen im Kindertagesstättenbereich verändern sich. Der Bedarf für Kindergartenplätze für Kinder ab 3 Jahren ist nicht mehr so groß wie noch vor ein paar Jahren. Dadurch ist es möglich, freie Plätze für andere Altersstufen zur Verfügung zu stellen. Wir konnten außerdem einen Bedarf der Eltern an dieser Betreuungsform feststellen, da es für die Kinder dieser Altersstufe zu wenige Angebote gibt. Uns war von Anfang an klar, dass die Vorbereitungen für die Aufnahme der unter Dreijährigen nicht mit der Schaffung eines Wickel - oder Schlafbereiches und entsprechendem Spielzeug abgeschlossen sind, sondern das die Aufnahme der Kinder, wichtige konzeptionelle Umstellungen mit sich bringt, die einen durchaus großen Einfluss auf die bisherige Arbeit der Fachkräfte nehmen werden.
Für die Zeit der Eingewöhnungsphase gilt folgendes:
- Zunächst 1 feste Bezugsperson für das 2jährige Kind.
- In den ersten 4-6 Wochen müssen die Bezugspersonen zur Verfügung stehen. Dies muss in der Urlaubsregelung
berücksichtigt werden.
- Kinder unter 3 Jahren, welche über Mittag betreut werden, sollten in der ersten Zeit nur halbtags betreut werden.
Wenn Sie Ihr Kind bei uns anmelden, wird die Leiterin der Einrichtung ein ausführliches Aufnahmegespräch führen. Dabei haben Sie die Möglichkeit, Fragen zu stellen, Ihre Sorgen und Zweifel aber auch Wünsche zu äußern, Gewohnheiten (Essen, Schlafen, Vorlieben, Abneigungen, Freundschaften ...) des Kindes werden hinterfragt und festgehalten. Nachdem die Daten aufgenommen sind, wird ein Rundgang durch die Einrichtung unternommen. Dabei erhalten Sie als Eltern einen kleinen Einblick in unsere pädagogische Arbeit mit den Kindern.
Für alle Eltern, deren Kinder im August neu in den Kindergarten kommen, findet ein Einführungselternabend statt. Dort erhalten die Eltern organisatorische Informationen, erhalten Unterlagen, und können andere Eltern kennen lernen. Es werden Termine angeboten, an denen die neuen Kinder zum "schnuppern" in die Einrichtung kommen können. Es wird angeboten, dass die Erzieherin zu einem Hausbesuch zu Ihnen kommt, um dort schon einmal in dem gewohnten (und sicheren) Umfeld das Kind kennen zu lernen. Oft ist dies für die Kinder eine große Hilfe bei der späteren Eingewöhnung.
Die Eingewöhnungszeit entscheidet über den Kindergartenerfolg. Dabei legen wir Wert auf eine enge Kooperation mit den Eltern. Neben dem Anmeldegespräch haben die Eltern Gelegenheit vor Kindergartenbeginn mit der Mitarbeiterin sprechen zu können, welche in der ersten Zeit die Bezugsperson sein wird.
- Wird sie mein Kind mögen und verstehen?
- Kann ich von meinen Ängsten sprechen, von meinen
Zweifeln, vielleicht auch meinem Misstrauen?
- Wird sie in Konkurrenz mit mir treten?
(aus: Ohne Eltern geht es nicht; Laewen; Andres; Hedervari)
Bei der Eingewöhnung neuer Kindergartenkinder unter 3 Jahren wird berücksichtigt, dass jüngere Kinder andere Bedürfnisse
haben als Kinder mit oder über 3 Jahren. Sie benötigen mehr Platz, mehr Struktur, andere Materialien und Spielsachen und
vor allem eine intensivere Betreuung durch eine Bezugsperson.
Der Tagesrhythmus der Jüngsten und die individuellen Bedürfnisse und Interessen eines jeden einzelnen Kindes werden
berücksichtigt. Die Eingewöhnungszeit wird in Absprachen mit den Eltern individuell geplant und durchgeführt.
- Wird sie/ er mich als Erzieherin ihres/seines Kindes akzeptieren?
- Wird sie/er offen oder verschlossen sein,
für Gespräche mit mir?
- Empfindet sie/er mich als Konkurrentin oder Partnerin?
- Wie bewertet sie/ er meine Art zu arbeiten?
(aus: Ohne Eltern geht es nicht; Laewen; Andres; Hedervari)
Dabei ist eine behutsame Eingewöhnung von großer Bedeutung. In der Anfangszeit sollte ein Elternteil das Kind begleiten.
Der eingewöhnende Elternteil erhält einen bestimmten Platz in der Gruppe. Dem Kind wird die Initiative überlassen,
sich von dem Elternteil zu entfernen oder wann es die Nähe der Mutter oder des Vaters sucht.
Die Kinder können bereits innerhalb von 3 - 4 Tagen eine Art Bindungsverhalten zum Beispiel an eine pädagogische
Mitarbeiterin- ihrer Bezugsperson- aufbauen. Eltern und Mitarbeiterin überlegen nach ein paar Tagen gemeinsam,
wann ein langsamer Abnabelungsprozess von dem eingewöhnenden Elternteil stattfinden kann.
- Wirst Du ohne mich zurecht kommen
- Wirst Du mich vermissen?
- Wirst Du die Erzieherin vielleicht lieber mögen?
- Wird es Dir hier gut gehen?
(aus: Ohne Eltern geht es nicht; Laewen; Andres; Hedervari)
Es werden kurze Trennungszeiten vereinbart- das Elternteil bleibt jedoch in Reichweite in der Einrichtung.
Nach und nach kann dann behutsam der endgültige Abnabelungsprozess stattfinden.
- Wirst Du mich in dieser Fremde alleine lassen?
- Wirst Du meine Angst verstehen,
weil alles für mich fremd ist?
- Wirst Du so lange bei mir bleiben,
bis ich hier vertraut bin?
Bist Du einverstanden, dass ich gerne hier bin,
wenn ich mich nicht mehr so fremd fühle?
Magst Du meine Erzieherin?
(aus: Ohne Eltern geht es nicht; Laewen; Andres; Hedervari)
Grundsätzlich gilt: Das Elternteil muss sich vom Kind verabschieden und zum vereinbarten Zeitpunkt
pünktlich zum Abholen kommen. Die Erzieherin bleibt nach der Abnabelung verlässliche und einfühlsame Bezugsperson.
- Wirst Du mir Zeit lassen, Dich kennen zu lernen?
- Wirst Du mich beschützen und unterstützen?
- Wirst Du mich trösten, wenn ich traurig bin?
- Wirst Du meine Eltern mögen?
(aus: Ohne Eltern geht es nicht; Laewen; Andres; Hedervari)
- Wirst Du leicht Zugang zu mir finden?
- Werde ich Deine Signale verstehen und herausfinden
Können, was ganz Besonderes Du brauchst?
- Wirst Du mit den anderen Kindern gut zurechtkommen?
- Wirst Du Dich hier gut einfinden?
(aus: Ohne Eltern geht es nicht; Laewen; Andres; Hedervari)
Wir achten darauf, dass gleichaltrige Spielpartner in der Gruppe sind.
Besonders wichtig erscheint es uns, die Kinder nicht zu überfordern.
Wer bereits so früh den Kindergarten besucht, darf sich mit der Eingewöhnung Zeit lassen.
Die Eingewöhnung ist abgeschlossen, wenn das Kind die Erzieherin akzeptiert und sich von ihr trösten lässt.
Überschaubarkeit ist sehr wichtig - dies bezieht sich auf die Gruppeneinrichtung (Platz zum Laufen, wenig "störende"
Tische und Stühle...) sowie auch die tägliche Stundenzahl im Kindergarten neben den Angeboten, die dem Kind in der
ersten Zeit gemacht werden. Klare Strukturen und Abläufe, die wiedererkannt werden geben Orientierung und Sicherheit.
Dadurch entwickelt sich das Interesse für Neues.
Ist die Eingewöhnung erst einmal erfolgreich abgeschlossen, werden die Kinder nach und nach in das Konzept und
die Abläufe der Einrichtung einbezogen. Allen Erfahrungen, welche die älteren Kinder ab 3 Jahren machen dürfen,
kann sich das Zweijährige Kind nach und nach zuwenden. Dabei werden der jeweilige Entwicklungsstand sowie die
individuellen Bedürfnisse der Kinder berücksichtigt.
Die Kinder benötigen Räume, die dazu auffordern - durch aktives Handeln Erfahrungen zu machen - zu experimentieren und zu forschen - sich zu anderen gesellen oder auch um sich zurückzuziehen. - sich zu bewegen - sich zu beruhigen und zu entspannen. - Viel Platz für großräumige Bewegungen (Wir haben die Anzahl der Tische und Stühle in der Gruppe auf ein Minimum reduziert und bieten den Kindern zum Spielen Spielteppiche an. Kinder brauchen Platz am Boden, so können sie ihre Position verändern und ihren Bewegungsbedarf ausgleichen) Spuren der Kinder in den Räumen lassen diese erkennen " Ich gehöre hier hin", dies geschieht zum Beispiel durch - Kennzeichnen der Briefkästen an den Garderoben mit Fotos der Kinder - Fotos im Gruppenraum (Geburtstagskalender) - Eigener Trinkbecher/Flaschen - Wichtige eigene Übergangsobjekte wie Kuscheltuch, Kuscheltier - Eigenes Sitzkissen - Eigene Fächer - Ausstellen der Arbeiten der KinderDie Kinder, die über Mittag betreut werden und eine Mittagsruhe brauchen haben dazu im Ruheraum die Möglichkeit, einen Mittagsschlaf zu halten oder sich auszuruhen. Stellen wir fest, dass die Kinder bereits im Laufe des Vormittages müde werden, besteht die Möglichkeit des Rückzuges.
Essen soll Spaß machen und in einer entspannten Atmosphäre stattfinden. Die Kinder werden nicht zum Essen und Probieren gezwungen. Jedes Kind entscheidet selbst, ob und wie viel es essen möchte. Die Kinder werden zum selbstständigen Essen entwicklungsgemäß herangeführt.
Zweijährige sind überfordert mit sozialem Verhalten, sind aber durchaus in der Lage, an den Emotionen anderer teilzunehmen. Wir wissen, dass die Kinder sich entwicklungsgemäß nach und nach das soziale Verhalten anderen gegenüber aneignen werden.
Alle Abläufe im Kindergarten werden mit Sprache unterstützt. Es werden einfache Bilderbücher angeschaut, Verse, Fingerspiele, Lieder und Reime werden eingesetzt. Im Stuhlkreis werden einfache Kreis- und Bewegungsspiele angeboten, an denen sich auch die Kleinsten beteiligen können - wenn sie möchten! Erwachsene müssen viele Fragen stellen- und gut zuhören. Für die Spracherziehung ist die Kommunikation mit erwachsenen Bezugspersonen unerlässlich, da dieser Wortschatz Grammatik und Sinninhalt vermitteln. Kinder mit 2 Jahren haben selbst bereits ein gutes Sprachverständnis. Unser Ziel ist es, die kindliche Bewegungsfreude zu unterstützen. Bewegung macht schlau! Motiviert werden soll Ihr Kind, selbsttätig zu lernen, Eigenaktivität zu zeigen. Wir möchten die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder stärken, dies geschieht auch durch die entwicklungsgerechte Selbstständigkeit, welche die Kinder nach und nach erwerben. Ein wichtiger Baustein für das Vertrauen des Kindes in sich selbst.
So könnte der Tagesablauf Ihres Kindes aussehen: Um 7:30 Uhr beginnt der Frühdienst, in jeder Gruppe ist eine Erzieherin anwesend (Ausnahmen bei Personalmangel) Während der vorbereitenden Arbeiten wie Getränke bereitstellen, Frühstückstisch decken, Stühle runterstellen, lüften u.s.w. nehmen die Mitarbeiterinnen die ersten Kinder in Empfang. Um 8:00 Uhr kommen die restlichen Kolleginnen. Um 9:00 Uhr sollten alle Kinder eingetroffen sein, dann wird vorne die Eingangstür verschlossen und die Bringphase ist beendet. Die Kinder haben die Möglichkeit, im Kindercafe zu frühstücken. Natürlich können die Kinder auch in der Gruppe am Tisch frühstücken. Im Freispiel wählen sich die Kinder ihre Spielbeschäftigung und ihre Spielpartner selbstständig aus- die Bezugsperson bleibt jedoch verlässlicher Ansprechpartner, der sie ihrer Entwicklung gemäß durch den Tag begleitet. Je nach Planung finden Angebote oder auch ein Stuhlkreis statt. Von 12:00 Uhr - 12:30 Uhr ist die Abholzeit. Die Kinder, welche über Mittag betreut werden essen in ihrer Gruppe zu Mittag. Danach gehen sie in den Ruheraum um dort einen Mittagsschlaf zu halten oder um sich auszuruhen. Die Länge der Mittagsruhe richtet sich nach den individuellen Bedürfnissen und Gewohnheiten der Kinder. Der Nachmittag verläuft ähnlich wie der Vormittag - die Kinder können die Zeit nach ihren Bedürfnissen gestalten. Wichtig ist es, auf die Kinder altersgemäß einzugehen und sie emotional, sozial und pflegerisch im Alltag zu unterstützen. Bedeutung des Spiels (Pikler) Das freie Spiel ist Methode, Medium, Antrieb und Belohnung zugleich. In ihm wird das Kind zum Akteur seiner Entwicklung.
- Eine sichere Basis bilden / Eingewöhnung in der Krippe
(Elisabeth C. Gründler)
- Kindergarten heute Spezial / Sich in der Welt zurechtfinden
- Fortbildungsunterlagen/ "Hilfe, die 2jährigen kommen"
- Kinder Tageseinrichtungen aktuell; KiTa BW 2000,Jg 9; Heft 5 Gabriele Haug- Schnabel; Joachim Bensel/
Fachliche Grundlagen für die Betreuung, Erziehung und Bildung von 2jährigen Kindern
- Kindergarten heute 1/2005
- Unterlagen Pikler Gesellschaft Berlin e.V. /Zusammengefasst nach mündlichen Vorträgen von A. tardos,
E. pikler Institut Budapest
- Laewen, Andres, Hedervari / Ohne Eltern geht es nicht
- Laewen, Andres, Hedervari / Ein Modell für die Gestaltung der Eingewöhnungssituation von Kindern in Krippen